Langeweile kann spannend sein

Barn der keder sigDie meisten Menschen kennen das Gefühl von Langeweile im Alltag. Wir versuchen normalerweise die Langeweile zu umgehen oder gegen sie anzukämpfen. Sie befinden sich zum Beispiel in einer Situation, in welcher sie sich verpflichtet fühlen zu bleiben, auch wenn sie nicht daran interessiert sind, was da gerade vor sich geht und sie suchen nach anderen Möglichkeiten, die ihr Interesse fangen könnten.

Auch während einer Therapiestunde können der Klient oder der Therapeut sich langweilen. Das klingt paradox, denn so lange das Leben und die persönliche Entwicklung des Klienten im Fokus stehen, gibt es genügend Gesprächsstoff. Und gerade in dieser Situation kann es interessant sein, wenn die Langeweile einsetzt.

Normalerweise geschieht dies nicht deshalb, weil es sich um etwas Relevantes handelt, dass es anzuschauen gilt, sondern mehr darum, weil man sich über etwas unterhält, über das man nicht zu sprechen braucht. Die Therapie findet in Relation zwischen ihnen als Klient und mir als Therapeut statt, und dieser Prozess wird mit der Zeit eine Veränderung sowohl bei ihnen als auch bei mir mitführen. Wenn sie die Erlebnisse mit offenen Armen empfangen und den Rückenwind spüren, geschehen die Veränderungen schnell. Es kann aber auch vorkommen, dass es sich ein anderes Mal eher schleppend anfühlt. Als Klient entdecken sie vielleicht etwas in ihnen, worüber sie keine Lust haben zu sprechen, was in ihnen vorgeht. Hier kann die Langeweile sich einschleichen als eine organische Art der Regulation in Form einer Verlangsamung des Prozesses. Dies wird oft mit einem Gefühl des Rückzugs erlebt.

Wie einst einer meiner Lehrer sagte: Oft treten zwei Klienten ins Therapiezimmer: Einer der Ja sagt und einer, der Nein sagt. Die Langeweile kann auch eine Art sein, Nein zu sagen.

Gefühlsmässige Isolation als Verteidigung

Als Kinder lernen wir, emotionale Grenzen um uns herum zu setzen, damit wir uns sicher fühlen können in einer Welt, die wir nicht immer als positiv erleben. Wenn wir zum Beispiel gehänselt wurden in der Schule – wie ich es selbst in einer gewissen Zeit erlebt habe – haben wir vielleicht gelernt, uns emotional zu isolieren. Dadurch haben wir uns weniger verletzbar und mehr sicher gefühlt.

Als Erwachsene brauchen wir diese Fähigkeit der Isolation als ein Teil unserer Werkzeugkiste, um unser Leben zu administrieren. Wenn die Isolation mehr oder weniger permanent und unbewusst gelebt wird, kann dies zu Selbstzufriedenheit führen und zu einem „ich brauche die anderen nicht“. Und wenn andere einem nahe kommen, zum Beispiel in einer Freundschaft oder in einer Beziehung, so kann man mit Apathie oder Gereiztheit reagieren. Wenn man dann noch einen schlechten Tag erwischt und andere freundlich danach fragen, wie es einem geht, verspürt man vielleicht einen Impuls zu sagen: „Verschwinde und lass mich in Ruhe “.

Langeweile – Ein Schlüssel, um weiter zu kommen

Solche Verhaltensmuster kann man in der Therapiesituation konstruktiv brauchen, indem man die Langeweile genauer untersucht – selbstverständlich nur dann, wenn der Klient damit einverstanden ist. Wie erlebst du die Langeweile in deinem Körper? Kannst du das Gefühl haben, über etwas zu sprechen, dass dich in Wirklichkeit nicht interessiert? Wozu hast du gerade jetzt Lust? Und so weiter. Diese Vorgehensweise führt oft zu neuen Einsichten und der Prozess gewinnt dadurch an Leben.

Die Energien sind immer an einem Ort vorhanden – Es geht nur darum, sie zu finden.

Jannik Bo Rasmussen

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