Ohne Ihren Körper sind Sie nichts

Stellen Sie sich vor, wie das Leben unserer Vorfahren vor 3000 Jahren gewesen sein muss und vergleichen Sie es mit Ihrem Leben hier im 21sten Jahrhundert. Damals spielten körperliche Tätigkeiten eine viel grössere Rolle zu heute, wo wir – leicht übertrieben – lediglich den Körper dafür einsetzen, um uns vom einen Apparat zum nächsten zu verschieben. Auf der anderen Seite liegt der Schwerpunkt heute meistens auf intellektuellen oder geistigen Fähigkeiten. Alle, die in Dänemark wohnhaft sind, erhalten ihre Post von den Behörden elektronisch zugestellt. Und unsere Kinder bewegen sich immer weniger.

FortidsmandDiese Entwicklung hat viele praktische Vorteile mit sich geführt. Aber wir riskieren auch, dass wir uns vom eigenen Körper entfremden. Damit wird der Körper eher als ein Instrument und nicht als ein Teil von uns selbst betrachtet. Manche Leute schenken dem Körper nicht viel Aufmerksamkeit, solange er einfach planmässig funktioniert und nicht irgendwo Schmerzen signalisiert. Erst dann nämlich würde man etwas unternehmen, um das Problem zu beheben, auch um damit die Forderung nach Aufmerksamkeit zu stoppen.
Es ist schon möglich zu überleben, ohne sich bewusst zu sein, was im Körper abläuft. Die Frage ist nur, wie gut man so leben kann?

Ohne Ihren Körper sind Sie nichts

Falls Sie zwischen zwei Möglichkeiten wählen müssten, um eine Investition Ihres Spargeldes zu tätigen, würden Sie wahrscheinlich die Aufgabe zu 100% durch rationale Überlegungen lösen. Sie würden Überlegungen und Vergleiche anstellen i.S. Zinsen, Zeithorizont und anderen Einflussfaktoren und für Sie dadurch die vorteilhafteste Lösung finden, sei es mit oder ohne Ihren Bankberater.

Aber wie wäre es, wenn Sie zwischen zwei Wohnungen in derselben Preislage wählen sollten? Auch in diesem Fall gehören Faktoren wie Grösse, Lage, Wartungskosten usw. dazu. Aber wahrscheinlich hätten auch weniger konkrete Elemente auf Ihre Wahl Einfluss, so dass Sie letztendlich Ihren Entscheid mit der Begründung “Das ist schon gut, aber ich mag einfach diese Wohnung am besten” fällen würden.

Und die rationale Wahl scheitert völlig, wenn es sich um etwas so persönliches wie die Wahl eines Partners handelt. Stellen Sie sich vor wie es wäre, dies nur durch praktische Überlegungen zu bestimmen. Wie schief das meistens geht, sieht man in Fernsehsendungen, in denen die zukünftigen Eheleute mittels Computerprogrammen verkuppelt werden. Der dementsprechende Erfolg lässt schlussendlich zu wünschen übrig.

Unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse sind im Körper ansässig

Ohne eine gewisse, häufig unbewusste Empfindlichkeit der Körpergefühle sind wir darauf angewiesen, aus eher nüchternen Überlegungen zu selektionieren wie
– was ist vernünftig oder rational
– wie ist die Norm in der Gruppe, wozu Sie gehören
– was pflegen Sie zu tun ?
So eine fehlende oder mangelhafte gefühlsmässige Verbindung mit dem Körper kann zu Empfindungen wie Leblosigkeit, Langeweile oder Bedeutungslosigkeit führen.

Die Fähigkeit zu spüren, was sich im Körper abspielt, ist bei uns Menschen oft sehr unterschiedlich. Weitgehend ist dies eine Frage des Empfindens und der Aufmerksamkeit dem Körper gegenüber. Manche Leute können lediglich unterscheiden, ob sie sich im Allgemeinen wohl und entspannt oder sich körperlich unbehaglich fühlen. Andere wiederum spüren die kleinsten Nuancen und Veränderungen ihres Körpers.

Das Potenzial dazu haben wir aber alle. Ich bin sicher, dass Sie, in einem Stuhl sitzend, das Gefühl dieser Position wahrnehmen und dadurch die Füsse auf dem Boden spüren können.
Dementsprechend verwendet man bereits über Jahrhunderte das Atmen als Ausgangspunkt für die Meditation. Vor einigen hundert Jahren hat man in Indien in Verbindung mit einer bestimmten Atemübung vorgeschlagen, beim Einatmen die Ausrichtung vom Unterkörper zum Kopf zu verlagern, um den Fokus auf den Verstand zu verstärken. Heutzutage macht man das meistens umgekehrt, so dass man beim Einatmen die Konzentration in den Unterkörper gibt, da der Verstand in unserer Kultur ohnehin hoch eingestuft wird.

Jannik Bo Rasmussen

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