Unterschiede und Ähnlichkeiten

Es ist wichtig, etwas Gemeinsames zu haben – aber was? Es ist bekannt, dass wir dazu neigen, einen Partner zu wählen, mit welchem wir Gemeinsamkeiten aufweisen und Untersuchungen bestätigen, dass Gemeinsamkeiten zwischen zwei Partnern sowohl für die Qualität als auch für die Stabilität einer Partnerschaft wichtig sind.

stockvault-walking-in-the-rain135952Der springende Punkt ist jedoch, welche Gemeinsamkeiten wichtig sind, und welche eine weniger wichtige Bedeutung haben. Die meisten sind sicher mit mir einig, dass die Haarfarbe keine so grosse Rolle spielt. Aber welche Gemeinsamkeiten sind es dann, die eine entscheidende Rolle spielen?

Eine amerikanische Untersuchung zeigt, dass wir möglicherweise Gemeinsamkeiten in Bereichen suchen, die keine grosse Bedeutung für das Gedeihen der Beziehung spielen. Und vielleicht versäumen wir die Bereiche, die wirklich wichtig wären. In der Untersuchung, welche 291 Paare umfasste, analysierte man einerseits die Zufriedenheit und Freude im täglichen Umgang miteinander und andererseits deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den folgenden drei Gebieten:

(a) Haltungen zu wesentlichen Dingen des Lebens, wie zum Beispiel Politik, Gesellschaft und Glauben.

(b) Persönlichkeit: Wo sich jeder einzelne der beiden Partner auf einer Skala befindet, von aufgeschlossen bis verschlossen, von freundlich bis unfreundlich, von nervös bis ruhig, von offen (oder flexibel) bis verschlossen (oder unflexibel) und schlussendlich von gewissenhaft bis unbedacht.

(c) Die Art der Bindung zum Partner in der Partnerschaft in Form von entweder: 1) Eine sichere Bindung, in welcher man seinem Partner vollkommen vertraut, in welcher man aber seine Selbständigkeit bewahrt. 2) Eine unsichere Bindung, in welcher man an der Treue und an den Gefühlen des Partners zweifelt und sich deshalb oft nervös an den Partner klammert. 3) Eine distanzierte Bindung, wo man sich nichts daraus macht, dem Partner zu nahe zu sein oder gar abhängig von seinem Partner zu werden.

Die Untersuchung zeigte, dass gemeinsame Haltungen, wie sie unter Punkt (a) umschrieben sind, von den meistens hoch bewertet wurden in der Wahl ihres Partners, und wo die Paare starke Gemeinsamkeiten aufwiesen. Auf der anderen Seite waren keine grossen Gemeinsamkeiten zwischen den Partnern in den beiden anderen Bereichen zu verzeichnen: Persönlichkeit (b) und die Beziehungsform (c).

Gleichzeitig zeigte sich, dass Gemeinsamkeiten in der Beziehungsform etwas waren, das am Wichtigsten war, für die Entwicklung in der Beziehung. Wenn zum Beispiel beide Partner dazu neigen, sich nervös aneinander zu klammern, ist das ok. Aber wenn nur der eine diese Beziehungsform aufweist, während der andere eher auf Distanz geht – vielleicht auf eigensinnige und kühle Art und Weise – so kann es für die beiden Ehepartner schwer werden, in ihrer Ehe eine Art zu finden, die für beide Freude bedeutet. Das heisst auch, wenn die sichere Beziehungsform vielleicht die Gesundestes und die Beste in sich selbst ist, so kann man sehr wohl eine gute Partnerschaft auch mit den beiden anderen Beziehungsformen haben, wenn die Partner sich in diesem Punkt gleich sind. Auf der anderen Seite kann sich eine Partnerschaft in die verkehrte Richtung entwickeln, wenn zum Beispiel der distanzierte Partner seines klammernden Partners müde wird.

Auch Gemeinsamkeiten in der Persönlichkeit können für eine Partnerschaft eine gewisse Bedeutung haben, insbesondere was Faktoren wie Freundlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit anbelangt. Zum Beispiel kann es für eine Person mit offenem Geist schwierig sein mit einem verschlossenen und sturen Partner umzugehen.

Was können wir somit daraus lernen? In erster Linie ist es wichtig, aufmerksam auf Übereinstimmungen zu sein – oder auf mangelnde Übereinstimmungen – in Beziehungsformen und Persönlichkeit, wichtiger als auf Übereinstimmungen in Haltungen. Darüber bewusst zu sein, was Probleme verursacht, ohne jemandem dafür die Schuld zu geben, ist der entscheidende Schritt auf dem Weg zur Problemlösung.

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Die Untersuchung ist zitiert in Luo, S. & Klohnen, E.C. (2005). Assortative Mating and Marital Quality in Newlyweds: A Couple-Centered Approach. Journal of Personality and Social Psychology, 88(2).304-326.

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